SPD Westerburger Land

SPD Westerburger Land

Energiepreisexplosion – woher sie kommt und was man tun kann

Veröffentlicht am 01.10.2022 in Pressemitteilung

"Mittwoch Digital" mit Hendrik Hering un Hans Weinreuter von der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz

Ganz Deutschland kämpft derzeit mit steigenden Energiekosten. Wo sonst die jährliche Preissteigerung wenige Prozent ausmachte, ist heute eine Vervielfältigung der Kosten keine Seltenheit. Bei „Mittwoch digital“ hatte Landtagspräsident Hendrik Hering daher Hans Weinreuter von der Verbraucherzentrale zu Gast, um Hintergründe zu klären und Tipps mit auf den Weg zu geben.

Der Winter steht vor der Tür und viele Menschen fragen sich momentan, wie sie diesen überstehen sollen. Die höchste Inflation seit Jahrzehnten, enorme Preissteigerungen beim Lebensmitteleinkauf und dann die extremen Preise der Energieversorger machen vielen Bürgern Angst. Vor allem bei den Energiekosten haben sich die Abschläge in vielen Haushalten verdoppelt oder verdreifacht, eine Steigerung, die den einen oder anderen nahezu zahlungsunfähig macht. Nicht heizen, nicht kochen, seltener duschen und das am besten kalt, so sehen die ersten Ideen in den Köpfen vieler Leute aus. Doch es gibt auch andere Möglichkeiten, Energie einzusparen. Und auch die Preissteigerungen muss man sich nicht unter allen Umständen gefallen lassen. In der beliebten Gesprächsrunde „Mittwoch digital“ hatte SPD-Abgeordneter und Landtagspräsident Hendrik Hering kürzlich Hans Weinreuter, Fachbereichsleiter Energie und Bauen der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz, zu Gast.

„Viele bringen die aktuellen Preissteigerungen mit dem Krieg in der Ukraine in Verbindung, jedoch begann die Preisentwicklung bereits im letzten Herbst“, beginnt Weinreuter. Durch das erneute Hochfahren der Wirtschaft nach den Lockdowns weltweit sei der Bedarf wieder rasant gestiegen. Zusätzlich sei der vergangene Winter eher windarm gewesen, was eine geringe Windernte und den Einsatz von Gasturbinen zur Verstromung zur Folge gehabt habe. Hinzu kamen die nach wie vor andauernden Probleme der Atomkraftwerke in Frankreich, welche die Börsenpreise in die Höhe getrieben haben. Der Krieg in der Ukraine und das mit den Sanktionen verbundene Runterfahren der Gaslieferungen sei daher nur die Spitze des Eisbergs. Bei steigender Nachfrage und sinkendem Angebot sind die Preissteigerungen in der Energiebeschaffung die leider logische Konsequenz.

Bei den Energiekosten der Grundversorger in Rheinland-Pfalz gibt es bis heute jedoch teils sehr starke Preisunterschiede. Die Spanne zwischen dem günstigsten und dem teuersten Grundversorger ist extrem und für viele Verbraucher nicht nachvollziehbar. Während der Gaspreis zwischen 6,31 Ct/kWh und 25,45 Ct/kWh liegt, findet man beim Strompreis eine Differenz von 20,77 Ct/kWh zu 68,28 Ct/kWh. Diese Spannbreite in den Energiekosten ist für viele unverständlich. „Das Problem bei der Preisgestaltung ist häufig, dass die Energieversorger immer für mehrere Jahre mit festen Verträgen einkaufen. Diejenigen, bei denen diese Verträge bereits ausgelaufen sind, mussten in der Energiebeschaffung wesentlich mehr Geld aufbringen, als mit den alten Verträgen“, bringt Weinreuter etwas Licht ins Dunkel. Diese Mehrkosten würden dann an den Endverbraucher weitergegeben.

Steigen die Abschlagszahlungen und Energiekosten, haben Verbraucher ein mindestens 14-tägiges Sonderkündigungsrecht. Ein Anbieterwechsel macht jedoch nicht immer Sinn, wer bereits beim Grundversorger einen Vertrag hat, sollte dortbleiben. „Früher haben wir oft empfohlen, Vergleichsportale zu nutzen, um den besten Anbieter zu finden. Heute sollte man diese nur noch als Infoquelle nutzen, denn die Preislandschaft ist in Bewegung und die aktuell günstigen Anbieter werden das nicht bleiben können“, erklärt Weinreuter. Doch auch Grundversorger sind nicht immer makellos im Verhalten ihren Kunden gegenüber. Ablehnen dürfen sie Kunden nicht, allerdings versuchen sie immer wieder mal, neue Kunden in die dreimonatige und teurere Ersatzversorgung aufzunehmen. Dies ist jedoch nicht rechtens, wenn der Kunde freiwillig seinen vorherigen Anbieter gekündigt hat und einen Wechsel anstrebt. Auch eine 2-Klassen-Grundversorgung sei systemwidrig, bei der in der Grundversorgung ohne Sonderverträge zwischen Bestandskunden und Neukunden unterschieden werde. Solche Sonderverträge können laut Weinbrenner auch bei Bestandskunden von Grundversorgern unter Umständen eine kleine Einsparmöglichkeit bieten.

Auch ein paar Handlungsempfehlungen hatte Weinreuter für die Teilnehmer der Gesprächsrunde im Gepäck. Am wichtigsten sei es, die konkrete Situation und den individuellen Verbrauch genau zu kennen und zu berechnen. Hat man diesen, kann man sich den korrekten Abschlag mit den erhöhten Kosten genau berechnen. Einen Abschlag, der wesentlich höher als der Verbrauch liegt, sollte man nicht zahlen. Ob bei einem Anbieterwechsel vor den nun anstehenden energieintensiveren Wintermonaten ein vorübergehend erhöhter Abschlag rechtlich erlaubt ist, werde derzeit juristisch durch die Verbraucherzentrale geprüft. Normalerweise zahlt man monatlich einen Durchschnittsverbrauch, der aus dem Energiebedarf eines ganzen Jahres errechnet wird.

Wenn man nun nichts mehr an den Kosten ändern kann, so kann man doch den Verbrauch reduzieren. Reduziert man die Raumtemperatur in allen Räumen um ein Grad Celsius, kann man rund sechs Prozent Energie einsparen. Kurze Duschzeiten und Sparduschköpfe können sich ebenfalls finanziell bemerkbar machen. Wer dann noch freiliegende Rohre und das Haus vernünftig dämmt, kann insgesamt rund 20 Prozent Energie einsparen. Für konkrete Hilfe im Bereich Energiesparen, Energiekosten und Energierecht können sich Verbraucher auch jederzeit an die Energieberater der Verbraucherzentrale wenden. „Schafft ihr überhaupt noch die sicher stark gestiegenen Anfragen der Bürger?“, wollte Hendrik Hering abschließend von Weinreuter wissen. Bei allein mehreren hundert E-Mail-Anfragen im Monat, zusätzlich zu telefonischen Anfragen, sei dies wirklich schwierig. Dank einer Landesförderung habe man wenigstens drei neue Stellen schaffen können, auch wenn deren Besetzung wegen des Fachkräftemangels durchaus schwierig sei, erzählte dieser daraufhin.

„Man sieht gerade jetzt, wie wichtig ein regionaler Ausbau erneuerbarer Energien ist, damit man sich nicht vom externen Energieeinkauf abhängig macht. Jetzt sind die Kommunen gefragt, dank des Kommunalen Klimapakts bekommen sie auch die nötige Unterstützung vom Land dafür“, zieht Hering, welcher auch für Privathaushalte und kleinere Betriebe weiterhin die Politik gefordert sieht, abschließend ein Resümee. Denn 300 Euro brutto als Energiepauschale für jeden, unabhängig vom Verdienst und den Lebensumständen, sei in seinen Augen mehr eine Frechheit als eine ernstzunehmende Unterstützung. „Bei dieser ganzen Entwicklung wird es über Winter sicher einige Demos und Proteste geben und es werden wohl auch einige Rattenfänger kommen, die versuchen, diese Situation auszunutzen“, befürchtet Hering.

Homepage Hendrik Hering, Ihr Abgeordneter für den Westerwald

WebsoziInfo-News

17.06.2024 18:37 Wiese/Kreiser zum Beschluss des Onlinezugangsgesetzes
Der Vermittlungsausschuss zwischen Bund und Ländern hat einen Kompromissvorschlag zur Änderung des Onlinezugangsgesetzes (OZG) beschlossen, der heute im Bundesrat und Bundestag verabschiedet wurde. Die Änderungen am OZG legen einen Grundstein für eine umfassende Digitalisierung der Verwaltung und stellen sicher, dass Bürgerinnen und Bürger sowie Unternehmen in Deutschland von modernen und nutzerfreundlichen Onlinediensten der Verwaltung profitieren… Wiese/Kreiser zum Beschluss des Onlinezugangsgesetzes weiterlesen

17.06.2024 18:36 Carlos Kasper zum Rekord-Kokainfund im Hamburger Hafen
Der Zoll hat heute mitgeteilt, dass bei einem Ermittlungsverfahren im vergangenen Jahr die Rekordmenge von 35 Tonnen Kokain unter anderem im Hamburger Hafen sichergestellt wurde. „Die Sicherstellung von über 35 Tonnen Kokain im Hamburger Hafen ist ein massiver Schlag gegen die Organisierte Kriminalität. Unser Zoll und unsere Polizei leisten eine großartige Arbeit, wenn wir ihnen… Carlos Kasper zum Rekord-Kokainfund im Hamburger Hafen weiterlesen

09.06.2024 16:28 Stefan Zierke zum tourismuspolitischen Dialog der SPD-Bundestagsfraktion
Sportgroßveranstaltungen sind Booster für Tourismus Im Rahmen des tourismuspolitischen Dialogs der Touristiker:innen der SPD-Bundestagsfraktion sprachen die Abgeordneten mit Vertreterinnen und Vertretern der Branche über die Bedeutung von Sportgroßveranstaltungen für den Tourismusstandort Deutschland. Diverse Beispiele zeigen: Sie haben einen erheblichen Mehrwert für die Regionen. „Große Sportevents wie die Rodel WM, die Handball EM der Männer und… Stefan Zierke zum tourismuspolitischen Dialog der SPD-Bundestagsfraktion weiterlesen

09.06.2024 15:28 Ariane Fäscher zum Bericht über Häusliche Gewalt
Häusliche Gewalt ist Machtausübung Die Zahl der Opfer von häuslicher Gewalt ist im vergangenen Jahr erneut gestiegen. Das geht aus einem aktuellen Bericht zur polizeilichen Kriminalstatistik hervor. Es besteht dringender Handlungsbedarf. „Der Bericht unterstreicht die dringende Notwendigkeit der Schaffung von funktionierenden und ausreichenden Strukturen für Schutz, Hilfe und Prävention bei Gewalt an Frauen. Das gilt… Ariane Fäscher zum Bericht über Häusliche Gewalt weiterlesen

05.06.2024 21:50 Seitzl (SPD), Kraft (Bündnis 90/Die Grünen) und Schröder (FDP) zur BAföG-Novelle
Lina Seitzl, zuständige Berichterstatterin der SPD-Bundestagsfraktion:Laura Kraft, zuständige Berichterstatterin der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen:Ria Schröder, zuständige Berichterstatterin der FDP-Bundestagsfraktion: Mit dem Kabinettsbeschluss zum 29. BAföG-Änderungsgesetz wurde ein Vorschlag für wesentliche Anpassungen am Regierungsentwurf verabschiedet. Bedarfssätze, Wohnkostenzuschlag, Freibeträge – so wollen wir den gestiegenen Lebenshaltungskosten der Studierenden Rechnung tragen. „Mit dem heutigen Kabinettsbeschluss zum 29. BAföG-Änderungsgesetz… Seitzl (SPD), Kraft (Bündnis 90/Die Grünen) und Schröder (FDP) zur BAföG-Novelle weiterlesen

Ein Service von info.websozis.de