SPD Westerburger Land

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Erneuerbare Energien – Wirtschaftliches Potential für die Region Westerwald

Veröffentlicht am 09.03.2009 in Pressemitteilung

3. Westerwaldforum

Die Chancen der Erneuerbaren Energien für die Region erörterten die SPD-Kreisverbände im geografischen Westerwald bei einer Forumsveranstaltung im hessischen Barig-Selbenhausen (Gemeinde Merenberg). Referenten aus Wirtschaft, Umweltverbänden und kommunaler Politik gaben Einblicke in die vielen Facetten der regionalen Energiewirtschaft.

Helmut Jung, 1. Beigeordneter des Landkreises Limburg Weilburg und Mitinitiator der Veranstaltung, führte in die Thematik ein, indem er die Ergebnisse einer ausführlichen Potentialanalyse im Landkreis darstellte. Ausgerichtet am Ziel des Regionalplans Mittelhessen sollen bis zum Jahr 2020 30 % der im Landkreis verbrauchten Energie aus regenerativen Energiequellen gedeckt werden. Bereits jetzt werden z.B. 500 Haushalte mit thermischer Wärme versorgt. Da private Haushalte der zweitgrößte Energieverbraucher im Landkreis sind, heißt das wichtigste Fazit der vom Landkreis eingesetzten Arbeitsgruppe: Der erste Schritt zum Ziel ist die Drosselung des Energieverbrauchs. Außerdem wurden große Potentiale der Energiegewinnung aus Bioprodukten festgestellt. Hier lägen die Chancen für die heimische Landwirtschaft, vom Energiemarkt zu profitieren.

Die konkrete Umsetzung kommunaler energiewirtschaftlicher Ziele in Gemeindepolitik beschrieben die beiden Bürgermeister Hermann Steubing (Mittenaar, Lahn-Dill-Kreis) und Nobert Mai (Angelburg, Kreis Marburg-Biedenkopf). Beide Gemeinden gehören zum Regionsprojekt Lahn-Dill-Bergland. Die energiepolitischen Ziele der 19 Gemeinden mit rund 180.000 Einwohnern in diesem Projekt lassen sich auf die Formel bringen: „20 + 20 in 2020“. Neben 20 % weniger Energieverbrauch gegenüber dem Ist-Stand sollen 20 % Energie aus nachwachsenden Rohstoffen treten, die aus der Region selbst kommen. Norbert Mai stellte den Prozess in Angelburg dar: Gründung eines speziellen Ausschusses, u.a. Austausch der Straßenbeleuchtung mit dem Ergebnis, 50 % der Stromkosten einzusparen, intensive Information der Bevölkerung in Verbindung mit einer kostenlosen Beratung. „Es ist wichtig, die Bürger im Prozess mitzunehmen“, stellte Mai fest.

Die Präsentation der Biogas-Anlage Sonnenhof in Münster (Kreis Limburg-Weilburg) stand im Mittelpunkt der Ausführung von Carlos Merz, Geschäftsführer Öko-Aktiv-Beteiligungs GmbH. Derzeit werden 40 Wohnhäuser von der Anlage mit Wärme versorgt, eine Erweiterung ist geplant. Merz unterstrich die volkswirtschaftliche Bedeutung: Biogasanlagen versorgen rund 3 Millionen Haushalte in Deutschland und schaffen ca. 10.000 Arbeitsplätze. Er wies aber auch deutlich darauf hin, dass sich eine solche Anlage auch betriebswirtschaftlich rechnen muss. So sei es wichtig, dass die Rohmaterialien aus unmittelbarer Umgebung angeliefert werden müssten, um Ertrag – aber auch die Ökobilanz – nicht durch hohe Logistikkosten zu gefährden.

Hier traf sich der Wirtschaftsvertreter mit dem Umweltschützer. Robert Maxeiner, stellvertretender Vorsitzender des BUND-Kreisverbandes Limburg-Weilburg und Mitglied im hessischen Landesvorstand, wies darauf hin, dass Rohstoffe zur Energieerzeugung nicht importiert werden sollten. Bei aller Euphorie für die Chancen der nachwachsenden Rohstoffe für den Energiemarkt, dürfe der Vorrang des landwirtschaftlichen Anbaus von Lebensmitteln nicht aus dem Blick verloren werden. Maxeiner forderte von der Politik und allen an der Diskussion Beteiligten ein Konzept der zukünftigen Energieversorgung als Basis für Maßnahmen und Umsetzung.

Stephan Grüger von Eurosolar sah in der derzeitigen Rohstoffkrise die Chance, „die noch vor zehn Jahren abstruse Idee der kompletten Umstellung unserer Energieversorgung auf Erneuerbare Energien“ Realität werden zu lassen. Dabei steht für ihn die wirtschaftliche Relevanz sogar noch vor den ökologischen Aspekten. Bereits jetzt sorgten die alternativen Energien für rund 250.000 Arbeitsplätze in Deutschland. Grüger forderte auf Sicht die rund 25 Milliarden Euro, die jährlich für den Energieeinkauf ins Ausland gingen, für eine verstärkte Förderung der nachwachenden Rohstoffe im Land einzusetzen. „Die Wertschöpfung muss in der Region bleiben“, umriss Grüger das Ziel von Energiepolitik.

Michael Birk, stellvertretender Vorsitzender der SPD im Westerwaldkreis und Mitorganisator des Westerwaldforums, resümierte die Veranstaltung: „Energie im Westerwald ist viel mehr als nur Windkraft.“ In den Erneuerbaren Energien läge dann eine Chance für die Region und die heimische Wirtschaft, wenn die Bürgerinnen und Bürger vom Nutzen überzeugt würden.

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